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Gastbeitrag Bettina Wirz: Flexible oder feste Arbeitszeiten?

Die Pandemie kam für uns alle überraschend. Anfang März hatte ich plötzlich ein Bauchgefühl, dass ich mein Team von 6 Mitarbeitenden schnellstmöglich in die Lage versetzen musste, auch von zu Hause aus zu arbeiten – für alle Fälle! 

Der Ernstfall trat dann auch schnell ein und seit dem 13. März 2019 arbeitet unser 7- köpfiges Team nur noch remote.

 

Dr. Carolina Kleebauer schrieb in ihrem Blog über das Thema „Hybrides Führen“ aus ihrer Perspektive eines Business Coaches in ihrem Beitrag zur #dieblogparade.

 

Aus meiner Perspektive als Führungskraft sage ich:

Die Zusammenarbeit ist hervorragend. Ich führe das auf mehrere Faktoren zurück.

Zum einen hat jedes unserer Teammitglieder bereits zwei Jahre oder länger in unserem Team gearbeitet, wir kennen uns also alle recht gut und es besteht eine Vertrauensbasis zwischen den Teammitgliedern.

 

Zum anderen habe ich seit Beginn meiner Tätigkeit im Team als Führungskraft ein Klima geschaffen, das grundsätzlich davon ausgeht, dass jeder Mitarbeitende gute Absichten hat und dass Fehler völlig akzeptabel sind und dazu dienen, Prozesse zu verbessern und nicht dazu, Schuldzuweisungen zu üben. 

 

Ich denke diese Kultur hat dazu geführt, dass jeder Mitarbeitende im Team sich als Teil des Ganzen fühlt und wir sehr offen miteinander umgehen können. Eine Herausforderung hat sich allerdings ergeben mit einer Neueinstellung zu Beginn 2021. 

Das remote onboarding…

...ermöglicht zwar sachliches Training, jedoch ist es schwierig, die Kultur und den internen und externen Umgangston eines Teams über die räumliche Entfernung zu vermitteln. Dies kann am besten von einem neuen Teammitglied aufgenommen werden durch Beobachtung der Kollegen bei der täglichen Arbeit, im Gespräch mit Kunden und mit dem Außendienst.

 

Wer setzt jedoch 8- stündige Zoom-Meetings an?

 

Hier liegt eine Herausforderung, die wir bei der nächsten Neueinstellung anders lösen müssen, nämlich durch eine Mischung aus remote trainings und Präsenztrainings im Büro mit jeweils nur einem weiteren Kollegen. Diese Präsenztrainings werden auch zu einem schnelleren Vertrauensaufbau zwischen den bisherigen Kolleg:innen und dem neuen Teammitglied führen. Da wir telefonischen Kundendienst anbieten, ist es nicht möglich, völlig flexible Arbeitszeiten einzuführen.

 

Ein bis zwei Mitarbeitende müssen morgens und nachmittags das Telefon beantworten.

 

Es ist jedoch möglich, die nötigen Präsenzzeiten zwischen den Mitarbeitenden aufzuteilen, sodass mehr Freiraum entsteht für Flexibilität und Work-Life-Balance des einzelnen. Jedes Teammitglied und auch ich selbst haben den Zugewinn an Freiheit und Flexibilität des Arbeitens von zu Hause genossen und schätzen gelernt. Diese Flexibilität trägt meiner Meinung zur Lebensqualität bei und kann, wenn angeboten, Mitarbeitende im Unternehmen halten.

Ich erwarte, dass es nicht einfach sein wird, das gesamte Team zu 100% wieder ins Büro zurückzuholen. Ich plane deshalb eine Mischung aus Präsenz und Flexibilität – wie das genau aussehen wird muss sich noch entwickeln.

 

Aufbruch – wohin? Für mich definitiv in die Flexibilität.

 

Im nächsten Beitrag können wir erfahren, wie der Kundendienst sich in den vergangenen Monaten verändert hat durch die Verlagerung in die digitale Welt. Dieser Beitrag von Heiner Boos wartet am 08.10.21 auf Euch.

Bettina Wirz ist General Manager im Bereich Customer Service bei einem deutschen Unternehmen in den USA.

Dort lebt sie mit ihrer Familie. Ich freue mich sehr über ihren Gastbeitrag!


(c) Text, Grafik & Redaktion: Bettina Wirz und Nadine Greck