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Der Irrtum, dass Schweigen Harmonie bringt

Im heutigen Beitrag geht es um Stille. Keine ruhevolle Stille - vielmehr um Stille, die um des lieben Friedens Willen existiert. Vielleicht kommt Ihnen die folgende Situation bekannt vor: Sie betreten einen Raum und spüren förmlich, wie man die Luft schneiden kann, wie großes Unbehagen herrscht und niemand mehr etwas sagt.

 

Wenn Sie nachfragen, ob alles in Ordnung ist, herrscht betretenes Schweigen, bis jemand „alles gut“ vor sich her murmelt.

 

Menschen sind oft emphatischer als sie denken. Und so ist es bei Ihnen auch. Oft nehmen wir Konflikte wahr, auch wenn uns niemand einweiht. Wir merken, dass irgendetwas nicht stimmt, dass das Klima immer schlechter wird, oder jemand ein Problem mit uns hat, auch wenn es nicht direkt angesprochen wird.

 

Woher dieser Konflikt in der Kommunikation kommt, was wissenswert ist und Ihnen helfen kann, den Konflikt aus seinem Versteck zu locken - darum soll es heute gehen. 

Die 5 Axiome von Paul Watzlawick

Um die Grundannahmen, sowie potenzielle Störquellen und Fehler in der Kommunikation zu erkennen, ist es wichtig, etwas Kommunikationstheorie als Grundlage zu nutzen. Hierbei sollen uns heute die 5 Axiome, also allgemein anerkannte Grundregeln, der Kommunikation von Paul Watzlawick helfen.

 

1.        Man kann nicht nicht kommunizieren

 

Andersherum: Sie kommunizieren immer! Die Annahme, dass Schweigen nicht Kommunizieren ist, oder sie von schweigenden Mitarbeiter:innen nichts über einen Konflikt erfahren, ist unwahr. Denn auch Schweigen, Ignorieren oder den Raum verlassen ist Kommunikation und übermittelt Ihnen eine Nachricht.

 

2.      Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt

 

Wichtig: Das gilt nicht nur für Familie oder Freunde. Auch auf der Arbeit hat jede Nachricht die verbal, nonverbal, digital, oder analog gesendet wird, eine Inhalts- und Beziehungsebene. Ein einfaches Beispiel, ist die Frage nach einem gemeinsamen Mittagessen Ihres Kollegen oder Ihrer Kollegin. Die Frage könnte lauten: „Hast du auch Hunger?“. Der Inhaltsaspekt vermittelt, dass das Gegenüber Hunger hat, der Beziehungsaspekt, dass es gerne mit Ihnen essen gehen würde. So ist es aber auch in Konflikten. Jeder Konflikt hat einen Inhalts- und Beziehungsaspekt. Häufig ist es sogar so, dass der Inhaltsaspekt bewusst oder unbewusst als Vorwand genutzt wird, um den Beziehungsaspekt wie Enttäuschung, Trauer oder Wut zu verschleiern. Denn gerade auf der Arbeit, möchte man ja professionell wirken.

 

3.      Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung

 

Das heißt so viel wie - Kommunikation ist immer Wechselwirkung. Mein Verhalten hat eine Ursache, nämlich das Verhalten meines Gegenübers, mein Verhalten ist jedoch auf Wirkung für mein Gegenüber. Andersherum ist die Wirkung meines Verhaltens, die Ursache für das Verhalten meines Gegenübers. Ganz schön kompliziert - und doch so einfach. Egal, was Sie tun, Ihr Handeln hat eine Außenwirkung und einen Grund. Das heißt, dass auch Schweigen über einen Konflikt eine Ursache und eine Wirkung hat. Diese Wirkung kann vom Sender gewollt, oder ungewollt sein. Vielleicht möchte das Gegenüber Ihnen so die eigenen Grenzen vermitteln, vielleicht hat es jedoch auch einfach nie gelernt, gut und richtig in Streitsituationen und Konflikten zu kommunizieren.

 

4.     Kommunikation ist digital und analog

 

Vereinfacht gesagt, besteht Kommunikation immer aus verbalen und nonverbalen Ausdrücken. Also aus Sprache, aber auch aus Mimik und Gestik. Wichtig ist hierbei: auch Schweigen ist digital - also Sprache. Schweigen ist also genauso wie Sprechen immer in Kombination mit Mimik, Gestik, oder beispielsweise Körperhaltung zu betrachten. Besonders Schweigen in einem Konflikt ist also eine wichtige Aussage, die durch das Beobachten von analogen Ausdrücken gedeutet werden kann und muss. 

5.         Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

 

Gemeint ist hiermit, dass Kommunikation sich immer gleich, oder gegensätzlich bedingt. Einfach gesagt: Entweder beide schreien oder schweigen oder eine:r schweigt und eine:r schreit. Sehr überspitzt, aber eine wichtige Information. Schweigt eine Person, kann es helfen, den oder die Kommunikationspartner:in anzusehen, um die Situation besser einschätzen zu können. Ist die schweigende Person vielleicht eingeschüchtert und unsicher oder verhält sie sich symmetrisch zu ihrem Gegenüber?

   

Fazit

 

Wie hilft uns das? Um einen Konflikt beheben zu können, ist es zunächst einmal wichtig, diesen richtig einzuschätzen, um keine Partei zu verschrecken, zu verängstigen oder gar zu verärgern.

 

Nehmen Sie sich also die Zeit, einen stillen Konflikt zu beobachten und zu beurteilen.

 

Nehmen Sie sich auch die Zeit, beide Parteien anzuhören und zu beobachten, wenn nur eine von ihnen spricht. Denn in den wenigsten Fällen, hat eine Partei recht und die andere unrecht. Vielmehr sollte es Ihnen, wie auch in einer Mediation, darum gehen, beide Seiten gleichermaßen ernst zu nehmen und anzuhören, um so eine Lösung zu finden, die mehr ist als ein Kompromiss - ein Konsens.

  

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Text & Grafik: Jana Lenhart | Redaktion: Nadine Greck