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Unternehmensnachfolge: was wird 2022 anders als 2021?

Wie sind Unternehmensnachfolgen im Jahr 2021 verlaufen und wie werden sie sich im Jahr 2022 gestalten? In diesem Artikel erhalten Sie eine Reflexion und eine Prognose auf fachlicher und menschlicher Ebene.

 

Es ist Donnerstag, 26. November 2021, ich sitze im ICE auf der Fahrt zu einem Workshop mit Kunden. Und ich weiß: dies wird der letzte Präsenztermin für die kommenden Monate sein, vermutlich bis Mai 2022.

Ich blicke auf das Jahr 2021 zurück und ich erkenne, dass zwischen Mai und November etwa 70% meiner beruflichen Termine persönlich stattgefunden haben.

 

Meine Wahrnehmung ist: viele Menschen haben lange gewusst und gespürt, dass sie etwas klären möchten, dass sie etwas angehen möchten. Aber sie haben gewartet, bis das wieder in der persönlichen Begegnung realisierbar ist.

 

Dies ist auch bei einer Unternehmensnachfolge der Fall. Üblicherweise suchen jährlich 30.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolge. Pandemiebedingt und in Verbindung mit wirtschaftlicher Unsicherheit, wurde so manche Unternehmensnachfolge auf die lange Bank geschoben.

Bereits heute rechnen viele Expert:innen mit einem Rückstau.

 

Sowohl die familieninterne als auch die externe Unternehmensnachfolge lassen in vielen Konstellationen auf sich warten, im Sinne von: „Darum kümmern wir uns, wenn es wieder möglich ist.“

Warum werden wichtige Entscheidungen (zur zeit) aufgeschoben?

Es klingt einfach und ist dennoch komplex. Eine Unternehmensnachfolge ist ein Prozess, der Zeit benötigt. Es geht um Zahlen, Daten und Fakten. Es geht aber auch um die Menschen mit ihren unterschiedlichen Erwartungen, Interessen, Perspektiven, Befürchtungen und auch Bedürfnissen. Wir beginnen mit der Idee der Nachfolge, gehen weiter über die erste Kontaktherstellung und die ersten Gespräche.

 

 

Auch hier ist für viele Menschen die persönliche Begegnung wichtig. Es geht um den (ersten) Eindruck, den man voneinander hat. Und ja: auch um das Bauchgefühl. 

Warum haben wir das Bedürfnis nach einer persönlichen Begegnung?

Natürlich können wir uns auch telefonisch und via Videokonferenz austauschen und kennenlernen. Aber: es fehlt der ganzheitliche Eindruck: Auftreten, Stimme, Körpersprache, Blickkontakt, Umgangsformen, gemeinsame Kaffee- und Mittagspausen.

 

 

Und dieses gesamte Bild ist für viele von uns sehr bedeutend, sodass es im besagten Zeitraum von Mai bis November 2021 zu vielen persönlichen Begegnungen und Geschäftsabschlüssen gekommen ist. Und das deutlich schneller, intensiver und effizienter, als es virtuell möglich ist. Aber wir haben auch gelernt, dass wir ergänzend zu persönlichen Gesprächen per Videokonferenz miteinander arbeiten können.

Was haben meine Bedürfnisse mit einer Verhandlung innerhalb einer Unternehmensnachfolge zu tun?

Verhandlungen einer Unternehmensnachfolge: persönlich und virtuell | Foto: Headway auf www.unsplash.com
Verhandlungen einer Unternehmensnachfolge: persönlich und virtuell | Foto: Headway auf www.unsplash.com

Ihre Bedürfnisse nach Klarheit und Fairness, aber auch nach Vertrauen und Sicherheit treiben alle Beteiligten an:

  • Ein:e abgebende:n Unternehmer:in erwartet einen angemessenen Preis, der nicht nur das Anlagevermögen würdigt, sondern auch das Lebenswerk, wie zum Beispiel den Aufbau von Geschäftsbeziehungen. Sie fragen sich: was ist mir persönlich wichtig, kann ich mit einem sicheren und guten Gefühl mein Unternehmen abgeben? Ich möchte meinem Verhandlungspartner:in in die Augen sehen und ich möchte wissen: was kann ich ihm oder ihr anvertrauen?
  • Ein:e nachfolgende:r Unternehmer:in überlegt, welchen Preis man sich leisten kann und möchte. Und es wird reflektiert: Warum möchte ich in die Nachfolge gehen? Habe ich das Bedürfnis nach (persönlichem) Wachstum, Verantwortung, Wirken und Erfolg? Kann ich hier gut anknüpfen? Ich möchte mit meinem Gegenüber an einem Tisch sitzen und ich möchte sicher gehen, dass ich ihm oder ihr vertrauen kann.

Meine Prognose für 2022 lautet: Ja, wir werden weiterhin einen Rückstau an anstehenden Unternehmensnachfolgen haben. Wir wissen, dass wir Zwischentermine auch virtuell und telefonisch gestalten können. Wir werden es schätzen, dass wir ganzheitliche Verhandlungen und Übergaben wieder persönlich angehen werden – gemeinsam. Denn die gemeinsame Begegnung gibt uns Sicherheit und Vertrauen ineinander. Und diese Begegnung brauchen wir alle, im Rahmen einer Unternehmensnachfolge mindestens einmal.

 

Dieser Artikel erschien im Dezember 2021 auch als Gastartikel auf den Seiten der Deutschen Unternehmerbörse, hier finden Sie auch mein Beraterprofil.

 

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Text, Grafik & Redaktion: Nadine Greck